Lesen

Hier eine Auswahl von Büchern, die ich sehr gern gelesen habe:

Krimis:
Virginie Brac, In den Nächten brütet still der Tod
Lawrence Block, Viele Wege führen zum Mord.
P. M. Carlson, Vorspiel zum Mord.
Sabine Deitmer, Scharfe Stiche .
Dick Francis, Unbestechlich.
Marcia Muller, Wölfe und Koyoten.
Dorothy L. Sayers, Aufruhr in Oxford.
Marcela Serrano, Unsere Senora der Einsamkeit.
Fred Vargas, Fliehe weit und schnell.
Janwillem van de Wetering, Rattenfang.
Rebekka Wulf: Die Fessel.

(Auto-) Biographien:
Dirk Van der Cruysse, Madame sein ist ein ellendes Handwerck.
Carolly Erickson, Königin Victoria. Eine Biographie.
Brigitte Hamann, Elisabeth. Kaiserin wider Willen.
Ulrich Roski, In vollen Zügen.
Margareta Strömstedt, Astrid Lindgren. Ein Lebensbild.

Es mag Ihnen seltsam erscheinen, aber ich empfinde es als ungeheures Privileg, dass ich in die Schule gehen und lesen und schreiben lernen konnte. Vielen Kindern auf dieser Erde, vor allem Mädchen, ist das nicht vergönnt, weil sie von klein auf arbeiten müssen, um den Familienunterhalt zu sichern. In unserer Gesellschaft können wir uns das gar nicht vorstellen. Unser Problem ist eher, dass viele Kinder keine Lust haben zu lesen.
Lesen ist die Schlüsselfähigkeit, die uns das Tor zu einem selbst bestimmten Leben öffnet. Wie wir diese Fähigkeit nutzen, ist unsere eigene Entscheidung.

Durch Lesen können wir uns in andere Welten träumen: mit Harry Potter in Hogwarts zaubern lernen, an der Seite von Winnetou und Old Shatterhand durch die Prärie galoppieren oder mit Bruder Cadfael im Mittelalter Kriminalfälle lösen. Kennen Sie das seltsame Gefühl, wenn Sie gerade die letzte Seite eines wunderbaren Buches umgeblättert haben und sich wünschen, die Geschichte würde noch mindestens ein Buch lang weitergehen?

Die Fähigkeit zum Lesen gibt uns auch die Chance zu erfahren, was Menschen in anderen Jahrhunderten dachten und wie sie lebten, wie sich das Bild von Staat und Gesellschaft geändert hat und viele andere Dinge, die uns dabei helfen, uns eine eigene Meinung zu bilden. Wer lesen kann, ist in der Lage, sich Informationen zu beschaffen, Wissen zu erwerben. Und Wissen ist Macht. Die Macht, über mein eigenes Leben zu entscheiden, meine Möglichkeiten zu erkennen und das Beste daraus zu machen.

Zur Zeit findet sich folgende gemischte Lektüre auf meinem Nachttisch: Virginie Brac: In den Nächten brütet still der Tod (hat mich die ganze letzte Nacht wachgehalten), Wilhelm Busch: Gedichte, Federico Di Trocchio: Betrug und Fälschung in der Wissenschaft, Hugh Laurie: The Gun Seller und Louise L. Hay: Wahre Kraft kommt von innen. Mehr Platz ist nicht mehr auf dem Nachttisch. Dafür steht dort jetzt eine sehr schöne große Lampe von einem persischen Töpfer, ein in Oxford erworbenes Sushischälchen, in das ich abends meine Ohrringe lege, und ein Zen-Wecker, der mich morgens nicht mit grellem Piepsen hochschrecken läßt, sondern mich sanft mit einem Gong weckt. Und, wenn ich nach drei Minuten nicht wach bin, weitere Gongs in kürzeren Abständen folgen läßt. Schöner wecken lassen geht eigentlich nur, wenn der oder die Liebste einen zärtlich wachschmusen.

* Im Bett soll man nur leichte und unterhaltende Lektüre zu sich nehmen sowie spannende und beruhigende, ferner ganz schwere, wissenschaftliche und frivole sowie mittelschwere und jede sonstige, andere Arten aber nicht.
Kurt Tucholsky

Früher habe ich gnadenlos jedes Buch zu Ende gelesen, auch wenn es mir nicht gefiel – ich hoffte, dass es zum Ende hin besser wird. Heute gebe ich der Autorin/dem Autor fünfzig Seiten, um mich in die Geschichte oder in sein Thema hineinzuziehen, und wenn ich mich dann immer noch nicht für das Buch interessiere, lege ich es beiseite.

Bei Romanen bevorzuge ich meist Bücher mit weiblichen Hauptfiguren (überwiegend von Frauen geschrieben), weil ich gerne mit der Hauptfigur mitfiebere. Die Art, wie männliche Protagonisten reden, handeln und leben, ist meist meilenweit von meiner Erlebniswelt entfernt. Vor allem längst etablierte Autoren toben gern ihre Alt-Männer-Phantasien aus - zum Beispiel bewertet die Hauptfigur jede Frau, die in der Geschichte auftaucht, unter dem Gesichtspunkt, ob er mit ihr vögeln will oder nicht. Vielleicht denken Männer tatsächlich so über Frauen, aber wenn es so ist, will ich es nicht lesen. Einigen wenigen Autoren ist es gelungen, mich zu ködern und zu begeistern - allen voran der Krimiautor Dick Francis. (Nach dessen Tod herauskam, dass seine Frau die Bücher geschrieben hatte.)

In der rechten Spalte finden Sie einige Bücher, die ich gern gelesen habe und auch immer mal wieder zur Hand nehme. Klassiker werden Sie dabei nicht finden, aber das heißt nicht, dass ich sie nicht zu schätzen wüsste. Goethes Faust habe ich in der Oberstufe gelesen – lesen müssen, freiwillig gewählt hätte ich ihn nicht. Und doch habe ich daraus eine Menge mitgenommen. (Und gelernt, dass viele Zitate und Redensarten, die wir heute noch benutzen, darauf zurückgehen.) Einige wesentliche Erkenntnisse über die menschliche Natur verdanke ich Mephistopheles, der im Prolog im Himmel Gott gegenüber über die Menschen klagt:

Von Sonn- und Welten weiß ich nichts zu sagen;
Ich sehe nur, wie sich die Menschen plagen.
Der kleine Gott der Welt bleibt stets vom gleichen Schlag
Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag.
Ein wenig besser würd er leben,
Hättst du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben;
Er nennt’s Vernunft und brauchts allein,
Nur tierischer als jedes Tier zu sein.
Er scheint mir, mit Verlaub von Euer Gnaden,
Wie eine der langbeinigen Zikaden,
Die immer fliegt und fliegend springt
Und gleich im Gras ihr altes Liedchen singt;
Und läg er nur noch immer in dem Grase!
In jeden Quark begräbt er seine Nase!

Also - halten Sie die Nase raus aus dem Quark, klagen Sie nicht, sondern lesen Sie, und gebrauchen Sie Ihre Vernunft im Sinne von Kants kategorischem Imperativ, den meine Großmutter immer auf die leicht verständliche Formel brachte: "Was Du nicht willst das man Dir tu, das füg' auch keinem anderen zu."

Ich wünsche Ihnen viele wunderbare Lesestunden. Das eine oder andere wunderbare Buch, das Sie noch nicht kennen, entdecken Sie sicher auch auf meiner Website.

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© Andrea C. Busch, 2005