| Der Mörder ist immer der Gärtner © Reinhard Mey Die Nacht liegt wie Blei auf Schloß Darkmoor Der Mörder war wieder der Gärtner Die millionenschwere Erbtante Der Mörder war wieder der Gärtner … Der anonyme Erpresser Doch der Mörder war wirklich der Gärtner … Der Staatsanwalt Doktor Sartorius Der Mörder war wieder der Gärtner … Den Gartenbaudirektor Plattfisch Der Mörder war wieder der Gärtner … Den Freund aller Blumen und Gräser Der Mörder war wieder der Gärtner … Dem Staatschef von Okulamakko In seinem Gewächshaus im Garten Der Mörder war diesmal der Klempner |
Der Mörder ist immer der Gärtner?
Wußten Sie eigentlich, daß der Mörder nicht immer der Gärtner ist? Ach, Sie haben Mord im Grünen schon gelesen und kennen sich aus? Gut.
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| Blick in den Balkonkasten. Foto © Andrea C. Busch |
Es ist schwer zu beschreiben, wieviel mir die Natur bedeutet. An einem Junitag morgens das Wohnzimmerfenster zu öffnen und die Nase in eine duftende Rose zu stecken - so stelle ich mir das Paradies vor.
Mein (Vor-)Garten
Klein ist er, mein Vorgarten, und allzuviel
gestalten kann ich darin nicht. Vor meinem Einzug wuchsen dort bereits
eine Kiefer, eine Konifere und ein Lorbeerbaum. Und ich tue mich schwer
damit, etwas davon auszureißen.
Mit welchem Recht auch? Schließlich wohnten die doch schon alle vor
mir hier … Allerdings kämpfe ich einen erbitterten Kampf gegen
den Efeu, der regelmäßig versucht, alles Ansehnliche in meinem
Vorgarten zu ersticken. Am vergangenen Wochenende haben wir ihn gewaltsam
von der Kiefer losgerissen.
Vor einigen Jahren habe ich mal für ein Gartenhandbuch das Rosenkapitel recherchiert, und dabei habe ich Feuer gefangen. Besonders angetan hatten es mir die alten Sorten, die einen zauberhaften Duft haben und sich in ihrer zwei- bis dreiwöchigen Blüte völlig verausgaben. Da in meinem Vorgarten aber nicht so viel Platz ist, kam ich auf die geniale Idee, Kletterrosen zu setzen. Von den einmal blühenden habe ich Paul's Himalayan Musk Rambler (Paulchen genannt) und Ännchen von Tharau im Vorgarten, verstärkt durch Dortmund und Sympathie, die bis in den Herbst hinein nachblühen. Félicité et Perpétue teilt sich den Innnenhof (siehe unten) mit Rosarium Uetersen. Den stärksten Duft von allen meinen Rosen hat Ännchen, deren schalenförmige Blüten mich jedes Jahr wieder faszinieren. Leider sieht sie im Verblühen dann sehr schnell ziemlich jämmerlich (= braun) aus.
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| Paul's Himalayan Musk
Rambler Foto © Andrea C. Busch |
Paulchens Wuchsfreude habe ich eindeutig unterschätzt. Entgegen der Angaben im Rosenkatalog wächst er pro Jahr bis zu fünf Meter, und in wenigen Jahren hat er in der oberen Etage versucht, alles abzuwürgen, was der Efeu unten nicht kleingekriegt hat. Zudem konnte ich kaum noch den Vorgarten betreten, weil Paulchen sich mit seinen biegsamen Trieben und festen, widerhakenartigen Stacheln überall ausgebreitet hatte. Wenn diese Rose um das Dornröschenschloß gewachsen wäre, würde sich der Prinz heute noch abmühen.
So wunderbar die jährliche Blütenpracht auch war, irgend etwas mußte ich unternehmen. Ein Gärtner gab mir den Tip, Paulchen bis auf den Stock herunter zu schneiden. Ich muß recht ängstlich ausgesehen haben bei dem Gedanken, denn er beruhigte mich, da könne gar nichts passieren. Paulchen würde das als Wachstumsanreiz begreifen.
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| Rosarium Uetersen flirtet mit
der Zaubernuß. Foto © Andrea C. Busch |
Ich brauchte fünf Tage und ein paar dicke Lederhandschuhe, einen Häcksler und reichlich Desinfektionsmittel, um Paulchen klein zu kriegen. Er wehrte sich nach Kräften. Am Ende habe ich gewonnen. Und Paulchen eigentlich auch. Seit dem Gewaltschnitt im Juni hat er schon wieder zwei Meter lange Triebe bekommen.
Neben dem Vorgarten gibt es noch einen Innenhof, in dem ich auch Rosen gepflanzt habe. Außer meinen Kletterrosen Félicité und Rosa (ich spreche meine Rosen mit dem Vornamen an) gibt es noch drei Strauchrosen, die mein Liebster gesetzt hat. Nur von einer, Queen Elizabeth, kenne ich den Namen. Ich weigere mich allerdings, sie mit "Her Majesty" anzusprechen und nenne sie lieber "Lisbeth". Sie scheint es nicht weiter tragisch zu finden.
Ansonsten bestimmen dort eine Ziermirabelle (die mittlerweile ungefähr fünf Meter hoch ist), eine Zaubernuß und - richtig! - der Efeu das Geschehen. Und natürlich die Blumentöpfe, die Jahr für Jahr fleißig gefüllt werden. Doch davon später mehr.



