Der Mörder ist immer der Gärtner
© Reinhard Mey

Die Nacht liegt wie Blei auf Schloß Darkmoor
Sir Henry liest Financial Times.
Zwölfmal schlägt gespenstisch die Turmuhr
Der Butler hat Ausgang bis Eins.
Da schleicht sich im flackernden Lampenschein
Fast lautlos ein Schatten zur Türe herein
Und stürzt auf Sir Henry, derselbe lebt ab -
Und nimmt sein Geheimnis mit in das Grab!

Der Mörder war wieder der Gärtner
Und er plant schon den nächsten Coup.
Der Mörder ist immer der Gärtner
Und er schlägt erbarmungslos,
Er schlägt erbarmungslos,
Er schlägt erbarmungslos zu.

Die millionenschwere Erbtante
Trank eine Tasse Kaffee
Mit jemandem, den sie nicht kannte
Im örtlichen Bahnhofsbüffet.
Sie führte die Tasse geziert an den Mund
Das tat sie nie wieder, aus folgendem Grund:
Gerichtsmediziner Klawuttke sagt kühl:
"Trihexaaminochloriddiphenyl."

Der Mörder war wieder der Gärtner …

Der anonyme Erpresser
Lag leblos am Autobahnrand
Im Rücken ein Okuliermesser
Einen Primeltopf in jeder Hand.
Dem Inspektor kommt es sofort in den Sinn
Die Spur führt eindeutig zum Gärtner hin.
Doch das wär viel zu einfach, das kann gar nicht sein,
Also locht er zuerst mal die Köchin ein.

Doch der Mörder war wirklich der Gärtner …

Der Staatsanwalt Doktor Sartorius
Las ein Vernehmungsprotokoll
In seinem Büro lang nach Dienstschluß
Was auch manchmal vorkommen soll.
Jetzt hat er das Indiz, das den Gärtner überführt
Da ist's, als ob sich im Regal etwas rührt
Und da trifft ihn ein Aktenordner so schwer
Und Doktor Sartorius ist nicht mehr.

Der Mörder war wieder der Gärtner …

Den Gartenbaudirektor Plattfisch
Hat grausam das Schicksal ereilt.
Der Ärmste starb an seinem Schreibtisch
Er hat sich zu Tod gelangweilt.
In seinen Händen findet man ein Dokument
Ein Bogen Papier war das Mordinstrument.
Der Gärtner mordete diesmal ganz schlicht
Durch seinen Tätigkeitsbericht!

Der Mörder war wieder der Gärtner …

Den Freund aller Blumen und Gräser
verfolgte ein fortschrittlicher Schuft.
Der Mann bohrte nur mit dem Laser
Löcher in Leute und Luft.
Doch der Gärtner lauert ihm auf hinter einem Strauch
Und erschlägt ihn mit seinem Gartenschlauch.
Und dann schreibt seine Hand in das rinnende Blut:
Auch althergebrachte Methoden sind gut.

Der Mörder war wieder der Gärtner …

Dem Staatschef von Okulamakko
Dem steckte, man weiß nicht wieso
Ganz plötzlich ein Drohbrief im Sakko
Der lautete ungefähr so:
"Wir stecken Dich samt Deinem Auto in Brand"
So drohte in Blockschrift die Rächende Hand.
Doch er wurde vergiftet, man liest daraus ab
Benzin wird jetzt auch in der Unterwelt knapp.

Der Mörder war wieder der Gärtner …

In seinem Gewächshaus im Garten
Steht in grüner Schürze ein Mann.
Der Gärtner rührt mehrere Arten
Von Gift gegen Blattläuse an.
Der Gärtner singt, pfeift und lacht verschmitzt
Seine Heckenschere, die funkelt und blitzt
Sense, Spaten und Jagdgewehr steh'n an der Wand
Da erwürgt ihn von hinten eine meuchelnde Hand.

Der Mörder war diesmal der Klempner
Und er schlug erbarmungslos zu.
Der Mörder ist manchmal der Klempner
Man lernt auch nach Jahren
Man lernt auch nach Jahren
Man lernt auch nach Jahren dazu. Juchuh.

Der Mörder ist immer der Gärtner?

Wußten Sie eigentlich, daß der Mörder nicht immer der Gärtner ist? Ach, Sie haben Mord im Grünen schon gelesen und kennen sich aus? Gut.

Blick in den Balkonkasten.
Foto © Andrea C. Busch
Meine kriminalistischen Neigungen wurden von Reinhard Mey geweckt. Eines der ersten Lieder, das ich von ihm hörte, war "Der Mörder ist immer der Gärtner". Es dauerte nur kurze Zeit, und ich konnte es auswending. Erst Jahre später erfuhr, wie die Originalversion ging. Hier ist die Live-Version von der LP "20 Uhr", die mich zur Schreibtischmörderin machte (siehe rechte Spalte).

Es ist schwer zu beschreiben, wieviel mir die Natur bedeutet. An einem Junitag morgens das Wohnzimmerfenster zu öffnen und die Nase in eine duftende Rose zu stecken - so stelle ich mir das Paradies vor.

Mein (Vor-)Garten
Klein ist er, mein Vorgarten, und allzuviel gestalten kann ich darin nicht. Vor meinem Einzug wuchsen dort bereits eine Kiefer, eine Konifere und ein Lorbeerbaum. Und ich tue mich schwer damit, etwas davon auszureißen. Mit welchem Recht auch? Schließlich wohnten die doch schon alle vor mir hier … Allerdings kämpfe ich einen erbitterten Kampf gegen den Efeu, der regelmäßig versucht, alles Ansehnliche in meinem Vorgarten zu ersticken. Am vergangenen Wochenende haben wir ihn gewaltsam von der Kiefer losgerissen.

Vor einigen Jahren habe ich mal für ein Gartenhandbuch das Rosenkapitel recherchiert, und dabei habe ich Feuer gefangen. Besonders angetan hatten es mir die alten Sorten, die einen zauberhaften Duft haben und sich in ihrer zwei- bis dreiwöchigen Blüte völlig verausgaben. Da in meinem Vorgarten aber nicht so viel Platz ist, kam ich auf die geniale Idee, Kletterrosen zu setzen. Von den einmal blühenden habe ich Paul's Himalayan Musk Rambler (Paulchen genannt) und Ännchen von Tharau im Vorgarten, verstärkt durch Dortmund und Sympathie, die bis in den Herbst hinein nachblühen. Félicité et Perpétue teilt sich den Innnenhof (siehe unten) mit Rosarium Uetersen. Den stärksten Duft von allen meinen Rosen hat Ännchen, deren schalenförmige Blüten mich jedes Jahr wieder faszinieren. Leider sieht sie im Verblühen dann sehr schnell ziemlich jämmerlich (= braun) aus.

Paul's Himalayan Musk Rambler
Foto © Andrea C. Busch

Paulchens Wuchsfreude habe ich eindeutig unterschätzt. Entgegen der Angaben im Rosenkatalog wächst er pro Jahr bis zu fünf Meter, und in wenigen Jahren hat er in der oberen Etage versucht, alles abzuwürgen, was der Efeu unten nicht kleingekriegt hat. Zudem konnte ich kaum noch den Vorgarten betreten, weil Paulchen sich mit seinen biegsamen Trieben und festen, widerhakenartigen Stacheln überall ausgebreitet hatte. Wenn diese Rose um das Dornröschenschloß gewachsen wäre, würde sich der Prinz heute noch abmühen.

So wunderbar die jährliche Blütenpracht auch war, irgend etwas mußte ich unternehmen. Ein Gärtner gab mir den Tip, Paulchen bis auf den Stock herunter zu schneiden. Ich muß recht ängstlich ausgesehen haben bei dem Gedanken, denn er beruhigte mich, da könne gar nichts passieren. Paulchen würde das als Wachstumsanreiz begreifen.

Rosarium Uetersen flirtet mit der Zaubernuß.
Foto © Andrea C. Busch

Ich brauchte fünf Tage und ein paar dicke Lederhandschuhe, einen Häcksler und reichlich Desinfektionsmittel, um Paulchen klein zu kriegen. Er wehrte sich nach Kräften. Am Ende habe ich gewonnen. Und Paulchen eigentlich auch. Seit dem Gewaltschnitt im Juni hat er schon wieder zwei Meter lange Triebe bekommen.

Neben dem Vorgarten gibt es noch einen Innenhof, in dem ich auch Rosen gepflanzt habe. Außer meinen Kletterrosen Félicité und Rosa (ich spreche meine Rosen mit dem Vornamen an) gibt es noch drei Strauchrosen, die mein Liebster gesetzt hat. Nur von einer, Queen Elizabeth, kenne ich den Namen. Ich weigere mich allerdings, sie mit "Her Majesty" anzusprechen und nenne sie lieber "Lisbeth". Sie scheint es nicht weiter tragisch zu finden.

Ansonsten bestimmen dort eine Ziermirabelle (die mittlerweile ungefähr fünf Meter hoch ist), eine Zaubernuß und - richtig! - der Efeu das Geschehen. Und natürlich die Blumentöpfe, die Jahr für Jahr fleißig gefüllt werden. Doch davon später mehr.

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© Andrea C. Busch, 2005